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Das Sozialkapital ist bereits vorhanden
THÜRINGEN/ERFURT. In der Presse vom 26. Juli 2007 hat sich Michael Koch als Sprecher des Thüringer Innenministeriums sachlich falsch geäußert. Es hieß: "Mit der Wiedervereinigung seien die Jugendorganisationen in den neuen Ländern zusammengebrochen. […] Diese Lücke sei bislang nur unzureichend gefüllt worden." Der Landesjugendring Thüringen e.V. als Vertreter der Interessen von Kindern und Jugendlichen im Freistaat kann dies in der Medienberichterstattung nicht unkommentiert lassen, so Landesgeschäftsführer Peter Weise. Die vielfältige und ehrenamtliche Jugendarbeit in Thüringen wird dadurch stark in Misskredit gebracht.
1. Vor der Wiedervereinigung hat es tatsächlich nur eine Jugendorganisation gegeben: Die FDJ. Die Vielfalt der Jugendverbände in Thüringen wurde nach der Wiedervereinigung erst aufgebaut.
2. Die Jugendverbände in Thüringen existieren flächendeckend und wirken landesweit. Im Freistaat sind 380.000 Kinder und Jugendliche in 105 landesweiten Jugendverbänden und in über 10.000 lokalen Gruppen organisiert. Für die flächendeckende Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus Bildungs- und Freizeitangebote bietet, setzen sich über 41.000 Ehrenamtliche ein.
Über 12.000 junge Menschen in über 630, überwiegend mehrtätigen, landesweiten Bildungsangeboten; über 4.400 Kinder und Jugendliche in mehr als 130 Freizeitangeboten und nicht mitgezählt die örtlichen Gruppenaktivitäten weist die Jugendverbandsstatistik jährlich aus.
"In diesem Zusammenhang vom Zusammenbruch und Versagen der Jugendverbände zu sprechen, zeigt, wie schlecht die Politik über bestehende zivilgesellschaftliche Strukturen informiert ist".
In dem Artikel wird ferner eine neue Initiative gegen Rechtsextremismus der Thüringer Landesregierung vorgestellt, die finanziell gefördert werden soll und nur auf die Hilfsorganisationen und den Sport fokussiert. "Das vielfältige Engagement anderer wichtiger gesellschaftlicher Strukturen, wie Jugendverbände, Kirchen, Jüdische Landesgemeinde sowie lokal angesiedelte Projekte wird ignoriert", so Uli Töpfer, Landesgeschäftsführer Evangelische Jugend Thüringen.
Fakt ist, dass wir seit Jahren gegenüber der Landesregierung hinsichtlich einer gemeinsamen Landesinitiative gegen Rechtsextremismus einfordern. Wir begrüßen das Programm und fordern die Einbeziehung aller gesellschaftsrelevanten Gruppierungen, so Töpfer weiter.
Statt blindem Aktionismus sollte es heißen: Augen auf und Sozialkapital gegen Rechtsextremismus bündeln. "Wenn die Landesregierung demokratische Zukunft sichern und Rechtsextremismus wirksam bekämpfen will, sollten die Leistungsträger erst einmal schauen, welche erfolgreichen und flächendeckenden Maßnahmen es für Jugendliche bereits gibt und sich um deren Erhalt und Ausbau kümmern, nicht aber das Wagenrad für die Medienberichterstattung vermeintlich neu erfinden. Dem gegenüber stehen schließlich viele gute Jugendprojekte in Thüringen, die erbittert und oft vergeblich um ihre Existenz kämpfen", erklärt Weise.
Der Thüringer Landesjugendförderplan legt den Schwerpunkt auf politisch-demokratische Jugendbildung und Jugendverbandsarbeit. Der vorliegende Landeshaushaltsentwurf schreibt demgegenüber die drastische Kürzung des Jahres 2005 fort, obwohl ein finanzieller Mehrbedarf durch den Plan attestiert wird. Insofern fordert Weise den Landtag auf, "mehr Mittel für Jugendbildung und Jugendverbandsarbeit bereitzustellen, damit die Aussage des Innerministers "Mehr Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus" untersetzt und der Ausbau und die Verstetigung der Jugendverbandsarbeit als Bildungs- und Lernort für Demokratie gefördert wird."
Wenn Sie noch Fragen haben oder weitere Pressematerial bzw. Interview-Wünsche haben, steht Ihnen unser Pressebüro gerne zur Verfügung.
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