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Qualität spielt für die katholische Jugend keine Rolle mehr
Die geplanten und zum Teil schon umgesetzten Kürzungen der Förderung der Jugendverbände im Freistaat stellen für die Verbände ein riesiges Problem dar. An der Stelle, an der eigentlich die Jugendverbände geschlossen und solidarisch auftreten sollten, um gegen die Kürzungen vorzugehen und für den Erhalt der pluralistischen Jugendverbandsarbeit in Thüringen zu kämpfen, zeigen die Äußerungen der katholischen Jugend (BDKJ), dass der Kampf um den eigenen Groschen wichtiger ist als die gemeinsamen Ziele.
In einer dieser Stellungnahmen des BDKJ werden die Aussagen des DGB Landesjugendsekretärs Daniel Müller in einem OTZ Artikel kritisiert und angezweifelt. Um jegliche Missverständnisse auszuräumen, gehen wir im Folgenden auf den Sachverhalt näher ein.
In dem OTZ Artikel, der das Ergebnis von Interviews des Verfassers mit Ulrich Töpfer (Evangelische Jugend), Antje Ehrlich-Strathausen (Jugendpolitische Sprecherin der SPD Fraktion) und Daniel Müller (DGB Jugend) ist, geht es um die Auswirkungen eines Antrages, den die katholische Jugend auf der Vollversammlung des Landesjugendringes eingebracht hat. Nach diesem Antrag sollen vom Land geförderte Personalstellen nur noch ausschließlich an große Jugendverbände mit über 10.000 Mitgliedern oder an Sammelvertretungen gehen. Dieser Antrag stellt nach unserer Auffassung einen absolut unsolidarischen Vorstoß der katholischen Jugend dar. Durch solche Vorschläge wird versucht, die Probleme, die bei den großen Jugendverbänden durch die Kürzungen entstehen, auf die kleineren Jugendverbände abzuwälzen. Bei diesem „kannibalischen“ Vorgehen wird auch in kauf genommen, dass kleinerer Jugendverbände in extreme Existenznöte geraten.
Viele ehrenamtliche Jugendliche aus unterschiedlichen Verbänden haben in den letzten zwei Jahren versucht, die Personalförderung des Landes über sogenannte Qualitätskriterien an die Verbände zu verteilen. Diese qualitätsorientierte und nachvollziehbare Mittelverteilung hätte zur Folge, dass Verbände mit einer qualitativ hochwertigen Arbeit Fördermittel in Anspruch nehmen könnten, während Verbände mit weniger guter Qualität noch an sich und ihren Strukturen arbeiten müssten. Verbände würden nicht mehr nur Größe nachweisen müssen, sondern auch Qualität. Diese Regelung käme den Inhalten des KJHG und des KJHAG sehr nahe. Die Arbeit an den Richtlinien zur Verteilung der Mittel wurde nach zwei Jahren, mit der Erstellung der Qualitätskriterien, erfolgreich im Sommer 2004 zu Ende gebracht.
Mit dem Antrag der katholischen Jugend (BDKJ), der nach Aussagen des Geschäftsführers Robert Weidler auch das Ziel hat, für die BDKJ eine zusätzliche Personalstelle zu akquirieren, wurde die gesamte Arbeit der ehrenamtlichen Jugendlichen an den Qualitätskriterien wieder zunichte gemacht. Nach diesem Antrag sind alle qualitativen Merkmale eines Jugendverbandes nicht länger wichtig. Es soll, darauf legt der Antrag der BDKJ großen Wert, ausschließlich die Größe eines Verbandes einen Ausschlag für die Höhe der Förderung des Landes geben. Qualität soll hier keine Rolle mehr spielen.
Warum die BDKJ den Prozess der Qualitätskriterien über 2 Jahre mitgetragen hat, nur um ihn kurz nach Beendigung der Arbeit mit dem oben genannten Antrag wieder zu zerstören, ist uns unklar. Auffällig ist jedoch, dass die BDKJ im selben Jahr, in dem sie einen Antrag stellt, nach dem nur noch die Größe (sprich Mitgliederzahl) eines Jugendverbandes ausschlaggebend für die Förderung durch das Ministerium sein soll, ihre Mitgliederzahl im Vergleich zum Jahr 2001 annähernd verdoppelt hat. In dem Jahr, in dem nur noch die Mitgliederzahl für die Förderung entscheidend sein soll und in dem Jahr, in dem viele andere Jugendverbände aufgrund von Kirchenaustritten und der demographischen Entwicklung in Thüringen zwangsläufig weniger jugendliche Mitglieder vorweisen können, verdoppelt sich die Mitgliederzahl der katholischen Jugend plötzlich und erhöht sich um ca. 20.000 jugendliche Mitglieder. Die DGB Jugend hält die Angaben der Mitgliedszahlen für überaus abenteuerlich und vollkommen bedenklich. Würde die Gewerkschaftsjugend nach gleichen Vorgaben ihre Mitgliederzahlen errechnen, so müssten wir alle berufstätigen Jugendlichen von 6 – 27 Jahren als Mitglieder angeben. Dann wäre auch die DGB Jugend in Thüringen einer der dominierenden Jugendverbände. Allerdings wäre dies unehrlich und würde die Probleme der kleineren Verbände zusätzlich verschärfen.
Die DGB Jugend steht auch als Großverband zu den mehrjährig diskutierten und verabschiedeten Qualitätskriterien. Es ist nach unserer Auffassung das Beste für die Thüringer Jugend, wenn Jugendverbände auch Qualität nachweisen müssen, nicht nur Größe. Den Jugendverbänden, denen das ein Dorn im Auge ist, aus welchen Gründen auch immer, bieten wir gerne an, in einen Prozess einzusteigen, der zu gemeinsamen, sinnvollen Regelungen für die gesamte Thüringer Jugendverbandsarbeit führt. Wir werden einen solchen Prozess produktiv und aktiv mittragen. Bei jeder Regelung muss allerdings auch die Pluralität der Jugendverbandsarbeit erhalten bleiben. Nicht nur die großen Jugendverbände sind wichtig für die Jugend. Gerade die kleineren Verbände tragen mit zum Teil sehr speziellen Angeboten maßgeblich zu der „bunten und vielfältigen“ Jugendverbandsarbeit bei, für die wir als DGB Jugend jederzeit einstehen.
Erfurt, den 10.01.2005
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