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Kleine Verbände durch Förderbeschluss angeblich benachteiligt von OTZ-Redakteur Henning Johr
Beim Landesjugendring ist der vorweihnachtliche Frieden unter den 115 Mitgliedern gestört.
Auslöser ist ein Beschluss, dass künftig nur noch Personalstellen von Sammelvertretungen oder großen Einzelverbänden mit mehr als 10 000 Mitgliedern gefördert werden sollen. Und zwar wegen der geplanten Kürzung der Landesmittel von jetzt 1,7 Millionen Euro auf 1,4 Millionen im kommenden Jahr. Der Beschluss wurde mit den Stimmen der vier großen Mitglieder im Jugendring gefasst, die mehr Stimmen als alle anderen zusammen haben, sagte Daniel Müller von der DGB-Jugend. Zum Beispiel die Thüringer Sportjugend oder die Evangelische Jugend.
"Ein vollkommen unsolidarisches Verhalten", ärgert sich Müller. "Die Starken bekommen künftig mehr Gelder, die Kleinen werden an die Wand gedrückt", wettert er. Dabei machen die Naturfreunde oder die AWO-Jugend nach seiner Meinung eine qualitativ herausragende Arbeit.
"Nach Haushaltslage ist es nicht mehr möglich, alle zu fördern", sagt dagegen Ulrich Töpfer von der Evangelischen Jugend. Mit dem Beschluss sollen größere Plattformen gebildet werden, die Einzelverbände bleiben erhalten, erläuterte er. So wie in seinem Verband, der sich aus 20 verschiedenen Mitgliedern zusammensetzt, sagte Töpfer.
Der interne Zoff hindert die Mitglieder des Jugendring nicht, gemeinsam gegen die Kürzung der Jugendpauschale im Haushaltsentwurf für 2005 von bisher 9,5 auf 7,5 Millionen Euro zu protestieren. "Bei der Jugendarbeit sollte angesichts der mittelmäßigen Pisa-Ergebnisse nicht gespart werden", forderte Töpfer. Wenn das Land weniger Gelder in ominöse Fluglinien stecken würde, müssten die Mittel für die Jugend nicht zusammen gestrichen werden, meinte er.
"Zieht sich das Land finanziell zurück, werden Jugendangebote platt gemacht", erinnert SPD-Landtagsabgeordnete Antje Ehrlich-Strathausen an die notwendige Kofinanzierung der Städte und Gemeinden. Den Kommunen sei es bei ihrer Finanzschwäche nicht möglich, noch mehr für die Jugendarbeit zu zahlen. Da wird vorexerziert, was den Gemeinden ebenfalls mit den Horten passieren kann, sagte Ehrlich-Strathausen. Dort werde sich das Land auch schrittweise verabschieden, vermutet sie.
OTZ, 14.12.2004
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