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Thüringer Kinder verarmen
Erfurt/ TA In Thüringen wird mit In-Kraft-Treten von Hartz IV jedes zehnte Kind von Armut betroffen sein. Dies befürchten Wohlfahrtsverbände und Kinderschutzdienste.
Während bereits jetzt 6,1 Prozent aller Thüringer Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre Sozialhilfe bekommen, gehen Sozialverbände von einer sprunghaften Erhöhung auf über zehn Prozent 2005 aus. Schon jetzt könnten viele Kinder mit den Eltern keine Ferienreise unternehmen, erklärte die Weimarer Kinderbeauftragte Steffi Engelstedter. Wie der Paritätische Wohlfahrtsverband befürchtet sie, dass künftig Familien vor allem an Bildung und Freizeitangeboten sparen werden. Dies schade langfristig der Entwicklung der Persönlichkeit. "Viele sozial benachteiligte Kinder neigen zu Aggression oder Depression", sagte Andrea Weinrich von der Landjugend Thüringen.
Betroffen von Kinderarmut ist vor allem der Osten. In Bayern gilt dies nur für 3,8 Prozent aller Kinder, in Baden-Württemberg sind es 4,3 Prozent. Sachsen mit acht Prozent und Sachsen-Anhalt mit 9,6 Prozent liegen noch über Thüringen.
Der Landesjugendring forderte von den Kommunen, die Kinder von Langzeitarbeitslosen kostenlos mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln fahren zu lassen. Der Vizegeschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes Ralf Rusch entgegnete, dies sei nicht finanzierbar.
Empört reagierten die Wohlfahrtsverbände gestern auch auf die Pläne, das Vermögen von Kindern auf das neue Arbeitslosengeld II der Eltern anzurechnen. "Damit würden die Kinder zum Unterhalt der Eltern verurteilt", kritisierte Landjugendchefin Weinrich.
Für "schwer umsetzbar" hält dieses Vorhaben jedoch Evelyn Koch, die Sprecherin der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Das Bankgeheimnis könne nur vom Kontoinhaber aufgehoben werden, sagte sie gestern dieser Zeitung. Jugendliche unter 18 Jahren würden jedoch als nicht oder nur teilweise geschäftsfähig gelten.
03.08.2004 Von Kristin KAISER und Ines KLEIN Thüringer Allgemeine
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