|
Erfurt. (tlz) Klaus Zeh kennt sich aus mit jungen Menschen. Schließlich ist er selbst zweifacher Vater. Als Beleg dafür, dass er sich aber in seinem Job als Sozialminister noch intensiver um die Jugendarbeit kümmern werde, zeichnete er gestern ein Wertpapier des Landesjugendrings. Damit verpflichtete sich der Ressortchef, einmal jährlich ein Jugend-Projekt vor Ort zu besuchen.
Dass so etwas in einen durchaus kritischen Dialog münden kann, musste Zeh bereits kurz nach der Unterschrift erfahren. 13 Jugendliche fühlten dem Minister, der Millionen im Jugendbereich einsparen muss, in seinem Ministerium auf den Zahn. Manche Landtagsdebatte ist dabei für den Abgeordneten Zeh schon einfacher über die Bühne gegangen. Der Minister zeigte vor allem eines: Verständnis - aber nicht nur für die Jugendlichen.
"Herr Minister, sind wir nicht wichtig genug?", wollte Denny Möller vom Awo-Jugendwerk wissen. "Natürlich nicht", entgegnete Zeh. Aber die Zeiten seien eben schwierig. Und wenn man im kommenden Jahr so viel Geld für freiwillige Leistungen ausgeben wolle wie 2004, dann würde sich der Schuldenberg sogar auf 1,9 Milliarden statt auf eine Milliarde Euro belaufen. Eine solche Hypothek will der Minister jedoch den kommenden Generationen nicht aufbürden. Zehs Haushalt ist um zwölf Millionen Euro eingedampft worden. Um 20 Prozent wird bei den Jugendprojekten gekürzt. Viele Träger stehen damit vor dem Aus.
20 Prozent, das sei als würde man bei einem Auto auf die Räder verzichten müssen, fand Benjamin Brandt vom Gemeindejugendwerk. "Dann kommen sie nicht mehr wirklich weit."
"Ist mit den Einsparungen das Ende der Fahnenstange erreicht, oder sitzen wir in zwei Jahren wieder zusammen", fragte Hendrik Balkow von den Jungen Medien. Darauf konnte Zeh keine befriedigende Antwort geben.
Aber warum werde ausgerechnet an der wichtigen Jugendarbeit gespart? "Machen sie andere Vorschläge", sagte Zeh. "Wirtschaftsförderung." Auch die sei wichtig, konterte Zeh und hielt ein Plädoyer für seine Kollegen. Auch der Wirtschafts-, der Wissenschafts-, ja wahrscheinlich selbst der Justizminister hätte einen Bereich in seinem Ressort, das mit der Jugend zu tun habe. Deshalb habe er, so Zeh, diese Kürzungen, so wie sie seien, mitgetragen.
16.12.2004 Von Elmar Otto
|