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"Im Gegensatz zu anderen Regionen, die wir schon besucht haben, ist hier in Sonneberg noch nicht so eine starke Resignation unter Berufsschülern zu bemerken. Die Jugendlichen hier blicken noch hoffnungsvoller in ihre berufliche Zukunft als beispielsweise Altersgenossen in Ostthüringen."
Das erklärte gestern Claudia Linsel, Jugendbildungsreferentin des DGB-Landesverbandes Thüringen.
Zusammen mit André Danz, dem DGB-Jugendbildungsreferenten für Südthüringen, leitet die aus Nordhausen stammende junge Frau das Team des DGB-Infomobils auf seiner Berufsschul-Tour. "Hauptziel dieser nun schon mehrere Jahre lang durchgeführten jeweils vierwöchigen Berufsschul-Touren ist, Jugendliche über ihre Rechte als Auszubildender und Arbeitnehmer aufzuklären, sie über die Grundlagen von Gewerkschaftsarbeit zu informieren und sie überhaupt für die Gewerkschaftsproblematik und ihre Rechte im Betrieb und im Arbeitsalltag zu sensibilisieren", so Danz und fügt hinzu: "Da geht es natürlich auch um so elementare Sachen wie: Was steht im Berufsbildungsgesetz, im Betriebsverfassungsgesetz und was in einem Ausbildungsrahmenplan?"
Jeden Wochentag ist das außer aus Linsel und Danz noch aus dem Infomobil Verantwortlichen Niels Neudeck und drei ehrenamtlichen Helfern bestehende Team an einer anderen Schule präsent, spricht intensiv mit den Berufsschülern, verteilt aber auch Infobroschüren, die beispielsweise alle Ausbildungsberufe Deutschlands samt Berufsbildbeschreibung und Wesentliches über Mitbestimmung in Unternehmen verzeichnen und die Adressaten auch mit den wesentlichsten Gesetzestexten vertraut machen. Oft werden solche Broschüren vor Ort gleich klassensatzweise verteilt.
Die DGB-ler selbst gehen auch direkt in den Unterricht und halten 45-minütige Unterrichtseinheiten zu den Themen Demokratie und Mitbestimmung. Danz: "Beides ist schließlich auch Unterrichtsinhalt."
Aufgefallen ist den jungen Gewerkschaftern, dass viele der jungen Leute hier in Sonneberg durchaus sehr gut informiert waren, was Problematiken wie Hartz IV und die Folgen. Sicherlich trage hierzu bei, dass auch die Jugend registriere, welche große Veränderungen auf sie zukommen. Oft macht sich das in ihren Ausbildungsbetrieben bemerkbar, wo man über Manches jetzt lockerer hinweggeht, was früher eher beachtet und eingehalten wurde. "Da kam schon auch hier die Aussage von Jugendlichen, dass sie dies oder jenes doch machten, was nicht im Ausbildungsrahmenplan stand, weil sie den Verlust ihrer Lehrstelle fürchteten und weil man ihnen sagte, dass ja genug ohne Ausbildungsplatz vor der Tür stehen", weiß Nadine Telemann zu berichten. Sie begleitet die Tour als ehrenamtliche Helferin – zusammen mit Jens Gertloff und Dennis Adam. Letzterer dreht während der Tour einen Doku-Film, der sich mit dem Problem Abwanderung Jugendlicher beschäftigt. Linsel dazu: "Hier in Sonneberg spürt man allerdings die Nähe Bayerns. Mancher findet eben doch in näherer Umgebung einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und bleibt in der Region."
Nächste Woche geht das Infomobil wieder auf Tour – diesmal in Ostthüringen. Die Team-Mitglieder sind hochmotiviert, denn sie wissen, wie wichtig ihre Aufklärungsarbeit ist – gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Aber dennoch gilt für sie auch in solchen das, was auf dem T-Shirt von Helfer Jens Gertloff steht: "Sozial is’ Muss !"
Freies Wort 10.09.2004
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